Kannst du dich noch daran erinnern als du dein Unternehmen gegründet hast?

 

Du warst letztlich in deinem Gefühl, selbst wenn du schon mit Angestellten gestartet bist, vermutlich eine One-(Wo)man-Show. Du konntest alles in deinem Laden, zumindest wenn es notwendig war, und warst für alles alleine verantwortlich. Aus diesem Start heraus bleibt bei vielen Unternehmern und Selbstständigen das Gefühl bestehen, sie sind das Unternehmen.
Die/Eine Folge davon ist, dass nicht selten keine saubere Trennung im finanziellen Bereich, zwischen Firma und Privatem konsequent vollzogen wird.

Wer aus einem Konto heraus versucht beide Lebensbereiche zu bespielen verzettelt sich in aller Regel. Wenn Probleme auftreten ist unklar wo genau die Ursache liegt und damit ist ihnen auch schwerer beizukommen.
Es wird zum Beispiel in Geschäftsbereich immer schwankende Einkünfte geben. Die Folge sind Monate in denen zu viel auf dem Konto eingeht und welche in denen zu wenig eingeht. Wenn du die klare Trennung der geschäftlichen und privaten Konten dann nicht vollzogen hast ist die Folge, die ich häufig beobachte, dass in den schwachen Monaten der Dispokredit ausgenützt wird um die Kosten zu decken. In den starken Monaten wird das mehr an Geld das reinkommt leider trotzdem oft vollständig ausgegeben. Es ist ja da. Und aus dem Gedanken heraus, dass du eins mit deiner Firma bist ist natürlich auch all das Geld auf dem Konto deines. Das ist eine Milchmädchenrechnung und wenn eine Firma langfristig so geführt wird erleidet sie Schiffbruch.

 

Wie du in meinem letzten Artikel schon gelesen hast bin ich ein Fan von klaren Kontenstrukturen und glaube, dass in ihnen ein Schlüssel zum finanziellen Erfolg liegt. Hier geht es zu den Kontostrukturen für Angestellte.
Meine Empfehlung ist also die klare Kontentrennung, die ich dir für den privaten Bereich bereits vorgestellt habe, als Selbstständiger oder Unternehmer auch im geschäftlichen Bereich weiter durchzuziehen.

 

Meine Empfehlung ist, dass du dich nicht mit dem Unternehmen gleichsetzt. Das Leichteste für den Anfang ist folgende Struktur:

Neben den privaten 5 Konten die du bereits eingerichtet hast, richtest du als Unternehmer erstmal noch 3 Geschäftskonten ein:

1) Basiskonto
2) Steuerkonto
3) Reinvestitionskonto

Auf das Basiskonto kommen alle Eingänge deiner Firma. Hierhin zahlen also deine Kunden ihre Rechnungen.  Gleichzeitig verteilst du von diesem Konto wieder alle Gelder weiter.

Dazu ist es sinnvoll, dass du dir für ein bis drei Jahre in der Rückschau einen Überblick verschaffst, was deine Durchschnittskennzahlen sind. Wenn du einen guten Steuerberater hast hilft dieser dir sicher auch gerne dabei diese Zahlen zu ermitteln.
Für die Kennzahlen musst du wissen was deine Eingänge pro Monat im Durchschnitt sind.
Der nächste Posten sind deine fixen und variablen laufenden Ausgaben. Hier solltest du alles von der Miete, über Gehälter und auch den Kleinkram wie Porto und Papier grob erfassen. Das alles ist der BWA leicht zu entnehmen.

Die prozentuale Höhe der Ausgaben sollte sich daran orientieren, wie hoch die echten Einnahmen (Einnahmen abzüglich durchlaufender Posten) deiner Firma aktuell sind.
Ich gebe hier folgende grobe Empfehlung an meine Kunden:

 

Echte Einnahmen in € 0-250000 250000-500000 500000- 1 Mio Ab 1 Mio
Laufende Kosten 30% 40% 50% 65%

 

Und vergiss nicht dich selbst zu bezahlen. Gerade wenn du anfängst deine Finanzen zu ordnen empfehle ich, dass du (falls es nicht in der von dir gewählten Rechtform schon so ist) deine Firma als deinen Arbeitgeber betrachtest. Damit ist klar, nicht alles Geld der Firma gehört dir privat, selbst wenn du ein Solopreuner bist. Schließlich muss eine Firma Rücklagen bilden, benötigt Geld für Investitionen und muss Steuern bezahlen. Tue also so als hättest du eine GmbH als Geschäftsform gewählt und du bist ihr Geschäftsführer. In einer solchen Geschäftsstruktur würdest du ein festes Gehalt beziehen, egal wie die Geschäfte gerade laufen. Gewinne sind nicht einfach zu entnehmen, sondern gehören der Firma.

Richte also so, wie du es für eventuelle Mitarbeiter tust, auch für dich den Dauerauftrag ein und zahle dir monatlich ein fixes realistisches Gehalt auf dein privates Eingangskonto. Du lernst so privat mit einem bestimmten Betrag auszukommen und kannst auch deine privaten Ausgaben besser daran orientieren.
Zur Festlegung deines „Gehaltes“ solltest du mehrere Punkte miteinbeziehen. Schau dir zuerst an was du privat brauchst. Schaue dir dann an was das Gehalt eines Angestellten in deinem Bereich wäre. Und natürlich wie viel Kapazität in der Firma zur Verfügung steht. Auch hier kann es sich lohnen die Höhe mit deinem Steuerberater zu besprechen. Es darf nicht zu viel sein um die Firmenfinanzen stabil zu halten. Aber auch nicht zu wenig. Es gibt Menschen, die immer wieder aus privaten Geldern die Firma subventionieren. Das ist ebenfalls keine gute Idee. Denn das nimmst du dann in der Regel von deinen privaten Rücklagen und dieses Geld solltest du ja, wie besprochen, eigentlich „vergessen“, damit es für dich arbeitet.

Grundsätzlich bin ich dafür niedrig anzufangen und eher zum Jahresende -wieder ähnlich wie bei der GmbH- eine Gewinnausschüttung zu machen. Je besser deine Firma läuft umso mehr kannst du dein Gehalt natürlich anpassen.
Grobe Richtlinien die dir bei der Einschätzung was ein realistisches Gehalt für dich ist helfen könnten, orientieren sich wieder an deinen echten Einnahmen. Diese Zahlen sind natürlich nur zu halten, wenn du deine laufenden Kosten in der oben genannten Struktur eingependelt hast.

Echte Einnahmen in € 0-250000 250000-500000 500000- 1 Mio Ab 1 Mio
Inhabergehalt 50% 35% 20% 10 % oder weniger

 

Falls du dich jetzt wunderst, wieso der Prozentsatz des Inhabergehalts im Laufe der Zeit immer weiter abnimmt sei dazu gesagt, ich empfehle ab 500000 € echter Einnahmen neben dem Inhabergehalt eine Gewinnentnahme zu machen. Diese liegt zwischen 10 und 20% und wird anders als das Inhabergehalt nicht auf das private Eingangskonto eingezahlt und verteilt, sondern direkt aufs Investitionskonto. Dadurch steigt dein Investitionsvolumen natürlich viel schneller an. Ohne dass, nur weil es auf dem Lebenshaltungskonto da ist, die Ausgaben plötzlich erhöht werden. Der langfristige Gewinn für dich ist, dass du irgendwann vielleicht gar kein Inhabergehalt mehr brauchst, weil du deine Lebenshaltungskosten alleine aus den Rückläufen deines Investitionskontos speisen kannst.

Das ist doch mal finanzielle Unabhängigkeit, oder?

 

Wenn deine Einnahmen und Ausgaben zumindest durchschnittlich klar sind, kannst du auch sehen wie hoch deine Gewinne sind und damit wie viel Prozent Steuern du zahlen musst. Ich empfehle immer noch mal 10% drauf zu schlagen, weil ja das Ziel ist, dass dein Unternehmen laufend wächst und dann will natürlich auch der Staat seinen Anteil und die Vorauszahlungen werden steigen. Damit du hier ganz entspannt bleiben kannst gilt die bekannte Struktur. Du eröffnest ein separates Steuerkonto.
Wenn du errechnet hast, dass du z.B. ca. 25% Steuern aus deinen tatsächlichen Einnahmen bezahlst, kommen noch mal 10% davon drauf und legst dieses Geld auf dein Steuerkonto und genau, vergisst es, bis das Finanzamt seinen Teil einfordert.

 

Das letzte deiner Konten ist das Reinvestitionskonto. Hier ist meine Empfehlung immer mindestens 10% besser 20% deiner echten Einnahmen hin zu überweisen. Es wird immer mal der Moment kommen in dem du eine Neuanschaffung oder Geld für den Ersatz eines Gerätes in deiner Firma brauchst. Dann ist es wichtig nicht auf deine privaten Rücklagen zurück zu greifen, sondern es aus der Firma selbst heraus finanzieren zu können. Nur eine saubere Trennung von privaten und geschäftlichen Konten macht es möglich auch frühzeitig zu erkennen, wo eventuell eine Störung im System liegt und so effektiv gegensteuern zu können. Gönne dir deshalb diese klare Struktur.

Und jetzt kommt das Zuckerl oben drauf. Sobald du auch für deine Firma eine klare Kontenstruktur eingeführt hast und du gut mit deinem Geld in der Firma auskommst solltest du auch hier wieder ein Spaßkonto einrichten. Auch in einem Unternehmen darf der Spaß nämlich nicht zu kurz kommen. Ob du dann damit einen Aufenthaltsraum mit Kicker einrichtest oder mit deinen Angestellten die Jahresplanung in Ibiza durchführt überlasse ich ganz deiner Kreativität.

Echte Einnahmen in € 0-250000 250000-500000 500000- 1 Mio Ab 1 Mio
Spaß 5% 10% 15% 10%