Wusstest du, dass ich, bevor ich Investmentberater wurde, im Sportbereich gearbeitet habe? Ich habe Sportler darin betreut, ihr Training, ihren Kopf und ihre Ernährung auf Erfolgskurs auszurichten.
Wenn jemand eine Ernährungsumstellung unter meiner Begleitung machen wollte, habe ich ihm immer vier Grundregeln vermittelt.

1) Nimm einen kleinen Teller und hole dir lieber mehrmals.
2) Die Reihenfolge ist entscheidend.
3) Führe dich selbst nicht in Versuchung.
4) Iss regelmäßig.

 

Du fragst dich, wie diese Erkenntnisse jetzt dir helfen sollen, deine Finanzen in Ordnung zu bringen? Lass dich überraschen.

 

„Nimm einen kleinen Teller und hole dir lieber mehrmals“ heißt im finanziellen Bereich: Um dir eine gute Struktur für deine Finanzen anzulegen, brauchst du mehrere Konten. Je nach Kunde ist dann ein wenig unterschiedlich, was sinnvoll ist, aber ein paar Konten empfehle ich jedem:

1) das Eingangskonto,
2) das Investmentkonto,
3) das Lebenshaltungskonto,
4) das Spaßkonto,
5) das Rücklagenkonto.

 

Selbstständigen und Unternehmern empfehle ich neben dem normalen Geschäftskonto zusätzlich

6) das Steuerkonto,
7) das Reinvestitionskonto.

 

Weshalb du all diese Konten brauchst und wie du sie bespielst, erkläre ich dir im weiteren Verlauf.

 

„Die Reihenfolge ist entscheidend“: Da ist es wie mit dem Gemüse bei der Ernährungsumstellung, das du bis dahin vielleicht nicht gegessen hast, weil du wundersamerweise immer schon vorher satt warst. So ist auch bei Anlagestrategien ein entscheidender Faktor, in welcher Reihenfolge du Ausgaben tätigst. Die erste Ausgabe – und das hast du von mir, falls du meine Artikel schon länger liest, schon ein paar Mal gehört – ist, dich selbst zu bezahlen. Das heißt, nimm von allem, was reingeht, zuallererst mal einen gewissen Prozentsatz, ich empfehle 10 % oder mehr, für deine Investitionen zur Seite. Erst dann folgen alle weiteren Ausgaben.
(Wenn du mehr zu diesem Thema wissen willst, könnte dich dieser Artikel interessieren! Link)

 

„Führe dich selbst nicht in Versuchung“ ist auch wieder logisch. Wenn du beispielsweise abnehmen willst, deine Wohnung aber an allen Ecken und Enden mit Schokolade und Gummibärchen vollgestopft ist, wird es schwerer zu widerstehen, als wenn du Gläser voller Gemüsesticks und Wasserkaraffen aufstellst. Firmen wie Google haben das sogar zur Firmenpolitik gemacht, weil es so erfolgreich ist, die Versuchung einfach auszuschalten. Genau das tust du mit dieser Kontenstruktur. Da du die bestimmte Bereiche unterschiedliche Konten hast, wirst du zukünftig nicht mehr in Versuchung geführt, zu viel Geld an der falschen Stelle auszugeben.

 

„Iss regelmäßig“: Stell dir mal vor, du würdest dir den ganzen Tag das Essen versagen. Abends übermannt dich dann plötzlich der Hunger und du futterst den halben Kühlschrank leer. Glaubst du, das würde dich einem Ernährungsziel, wenn es beispielsweise das Abnehmen wäre, dauerhaft näher bringen? Wohl eher nicht. Das gilt auch für deine Finanzen. Du solltest jedes dieser Konten regelmäßig versorgen und an deine aktuell finanziellen Gegebenheiten anpassen. So wie du auch die Menge dessen, was du isst, an deine Umstände und Ziele anpassen würdest, solltest du auch deine Finanzstruktur regelmäßig anpassen.

 

Nachdem du jetzt die Grundregeln kennst, lass uns einen Blick auf die einzelnen Konten legen, damit du genau weißt, wie du mit ihnen arbeitest.

Das Eingangskonto ist das notwendigste Konto
Vermutlich eines, das du schon hast: ein ganz normales Girokonto, auf das deine monatlichen Einnahmen aus Arbeit, Immobilien oder sonstigem überwiesen werden. Von hier aus verteilst du auf alle weiteren Konten. Und denk dran, die Reihenfolge zählt! Deine erste Überweisung geht also auf dein Investmentkonto, deine Bezahlung an dich selbst. Auf dieses Sparkonto legst du jeden Monat eine bestimmte Geldmenge zu Seite. Wenn du jeden Monat den gleichen Income hast, richte am besten sofort den Dauerauftrag mit mindestens 10 % ein. Je nachdem was du für ein Ziel und welchen Income du hast, sollte es ein bisschen mehr sein. Ich halte mich immer so zwischen 20 und 30 % auf, manchmal auch 40 %. Wenn deine Einnahmen, weil du beispielsweise selbstständig bist, schwanken, dann besteht nach der Buchhaltung deine erste Überweisung aus 10 % oder mehr deines Gewinns.

 

Damit sind wir schon direkt mitten drin im Investmentkonto
Hierfür kannst du gut das Tagesgeldkonto nutzen, das bei den meisten Banken zur Eröffnung der Girokontos ohnehin angeboten wird. Falls nicht, ist es leicht zu beantragen. Das ist das Konto, mit dem du langfristig dein Vermögen aufbaust. Es zu füttern ist enorm wichtig! Manche Menschen legen etwas zurück, wenn am Ende des Monats noch was vom Geld übrig ist, und stellen wundersamerweise fest, dass es meist andersherum ist. Am Ende des Geldes ist noch so viel Monat übrig! Und schon legen sie mal wieder nichts zurück. So kann Vermögensaufbau nicht funktionieren. Wie ich vorhin erklärt habe: „Führe dich nicht in Versuchung“. Wenn der von dir festgelegte Prozentsatz gleich als erstes vom Konto verschwindet, landet er da, wo er hingehört und kann für dich, für dein Vermögen arbeiten und wachsen. Sei mal ehrlich zu dir selbst, wenn viel Geld auf deinem Konto liegt und dir der ein oder andere Schnickschnack über den Weg läuft, den du zwar nicht brauchst, aber der so schön ist, dann hast du doch bisher zugeschnappt, oder? Na also.
Also nutz den kleinen Trick mit der sofortigen Überweisung aufs Investmentkonto und schon bist du auf der sicheren Seite. Von hier aus solltest du dein Geld dann gewinnbringend anlegen, d.h. in Aktien, Fonds, ETFs oder andere Wertpapiere. Wenn du das Geld nur auf dem Investmentkonto rumliegen lassen würdest, würde dein Geld jedes Jahr aufgrund der Inflation weniger. Wenn du es nicht schaffst, mehr als 4 % im Jahr an Zinsen zu generieren, wird dein Geld über die Zeit immer weniger Wert sein.

Für mehr Infos zur Inflation klicke hier.

Das Lebenshaltungskonto
Hierhin, erneut ein Girokonto, überweist du das Geld, das du für deine monatlichen Kosten brauchst, sprich Wohnung, Auto, Essen und so weiter. Und wenn du gerade dabei bist durchzurechnen, wieviel du dafür brauchst, ist das auch der ideale Zeitpunkt, mal deine Ausgaben zu „entmüllen“. Das tägliche Zeitungsabo, dessen Zeitungen sich zwar bei dir in der Küche stapeln, die du aber nur alle Quartal mal schaffst zu lesen – kündigen. Der zweite Handyvertrag, dessen Handy irgendwo in der Schublade versauert – kündigen. Den Vertrag mit dem Fitnessstudio, das du bereits seit Monaten nicht mehr von innen gesehen hast – kündigen. Oder du überlegst mal, ob du manche Strecken nicht mit dem Rad fahren kannst, für die du bisher das Auto genutzt hast. Damit kannst du Benzinkosten sparen. Schaue einfach mal, was von deinen Ausgaben für dich aktuell noch stimmig ist und was nicht. Du wirst vielleicht überrascht sein, wo du noch überall versteckte Geldschätze findest. Ich sage ja immer „Man wird nicht reich von dem, was man verdient, sondern von dem, was man nicht ausgibt“

Zwei Zusatztipps habe ich an der Stelle noch für dich:

Nur für dieses Ausgabenkonto hast du die Kontokarte in deinem Geldbeutel, damit du wirklich nur darauf zurückgreifst. Und lass dir von der Bank deinen Dispo hier sperren! Und schon gibst du wirklich nur noch aus, was du geplant hast. Keep it stupid und simpel und lass dir durch solche einfachen Tipps den Vermögensaufbau leichter von der Hand gehen. 😉

 

Das Geld, das jetzt auf deinem Eingangskonto noch übrig ist, verteilst du anschließend gleichmäßig auf die weiteren Konten.

 

Das Spaßkonto
Das ist das Konto, bei dem meine Kunden irritiert schauen, wenn ich es erwähne. Ich halte es trotzdem für das allerwichtigste Konto. Bei allem Planen und Strukturieren, wenn das Ganze keinen Spaß und keinen Erfolg bringt, dann bleibt kein Mensch langfristig dran. Du kannst mit Disziplin starten, aber wenn Menschen viel sparen und sich im Jetzt alles versagen und am Ende auf dem Konto kein Geld mehr übrig ist, das sie für ihre Freizeit, Hobbys oder Konsumgüter ausgeben können, sind die meisten nach einer Weile sehr frustriert und hören auf zu sparen. Die Aussicht, jetzt auf alles zu verzichten, um vielleicht in 10 Jahren… Das ist das klassische Rentenversprechen und fühlt sich heute wohl für niemanden mehr attraktiv an.

Dabei ist nicht das Sparen das Problem, sondern die Aufteilung des Geldes, das man spart.

Deshalb also das Spaßkonto: ein Konto, auf das am besten monatlich ebenfalls ein Sparplan läuft. Ziel wären auch hier 10 %. Von diesem Geld gönnst du dir genau das, was dein Herz höher schlagen lässt. Immer mit einem absolut guten Gefühl und scheiß egal, ob andere deine Ausgabe verstehen. Für den einen ist Spaß die coole Sonnenbrille von RayBan und die Lederjacke dazu, für den anderen ist es der Sportflitzer, auf den er dann gerne auch etwas wartet, und für den Dritten sind es die wundervollen klassischen Konzerte, auf die er jeden Freitag gehen möchte. Alles, was du haben willst, weil es dein Herz erfreut, bezahlst du von diesem Konto. Die meisten Menschen, die ich kenne, konsumieren sehr gerne. Es gibt viele schöne glitzernde Dinge da draußen, und dieses Konto ermöglicht dir ein Budget dafür, sie ohne schlechtes Gewissen zu genießen. Und wenn du jeden Monat oder jedes Jahr Geld auf der Seite hast, das du ruhigen Gewissens ausgeben kannst, weil dein Vermögen trotzdem wächst, dann macht es doppelt soviel Spaß.

Dieses Konto sollte ein kurzfristiges sicheres sein, deshalb empfehle ich hier immer ein Tagesgeld-oder ein Girokonto, auf das das Geld fließt.

 

Das Rücklagen- oder Sicherheitskonto
Im Leben kann immer mal wieder etwas Unvorhergesehenes passieren. Die Waschmaschine geht kaputt, das Auto braucht eine Reparatur, eine größere Rechnung muss kurzfristig bezahlt werden oder du beschließt, den Job zu wechseln und benötigst Übergangsgeld. Da ist es doch super und macht ein sicheres Gefühl, wenn für so etwas genügend Geld vorhanden ist. Und neben dem Vorteil, dass du dann viel gelassener mit solchen unerwarteten Ausgaben umgehen kannst und dir viel Stress ersparst, gibt es noch einen weiteren Vorteil im Bezug auf Vermögensaufbau: Du wirst mal wieder nicht in Versuchung geführt.
Viele Menschen gehen, sobald so ein unerwarteter Vorfall eintritt, dann doch schweren Herzens an ihr Erspartes. Wenn du aber ständig an dein Depot oder sonstige Investitionen gehst, verdirbst du deine Rendite und machst jegliche Strategie zunichte. Besser ist es, alles, was du zur Seite legst, aus dem Kopf zu streichen. Es ist nicht mehr da, steht dir nicht zur Verfügung und du kommst nicht mehr ran. Das ist die einzige Variante, wie es wachsen kann. Das kannst du zukünftig eben über die Pufferzone deines Sicherheitskontos entspannt realisieren.
Mein Empfehlung hier ist, mindestens drei, besser noch sechs Monatsgehälter auf diesem Konto anzusammeln.

Sobald dieses Konto ausreichend gefüllt ist, kannst du das freiwerdende Geld jeweils zur Hälfte auf dein Spaß- und Investitionskonto verteilen. So kannst du noch schneller Vermögen aufbauen und gleichzeitig den täglichen Spaßfaktor erhöhen.

 

So, nun bist du dran. Deine Aktion ist jetzt gefragt, du darfst losgehen, ein paar Konten eröffnen und deine finanzielle Aufteilung auf das jeweilige Konto bestimmen. Das klingt nun zwar banal, aber es ist eine der grundlegenden Voraussetzungen dafür, finanzielle Ziele so leicht wie möglich zu erreichen. Natürlich kann die Struktur im individuellen Fall etwas variieren, und wenn du Fragen zur Struktur hast, melde dich gerne. Trotzdem bist du mit diesem Konzept schon mal deutlich besser aufgestellt als 90 % der andern – und dabei ist es so easy.
Ich wünsch dir viel Spaß dabei, ganz entspannt dein Vermögen aufzubauen!